
Unter den europäischen landwirtschaftlichen Spitzenprodukten ist Heumilch g.t.S. ein hervorragendes Beispiel dafür, wie tausendjährige Tradition und ökologische Nachhaltigkeit gemeinsam zu einem hochwertigen Produkt zusammenfließen können. Diese besondere Milch ist nicht nur ein Lebensmittel, sondern auch ein Musterbeispiel für das gesamte Produktionssystem, das die Artenvielfalt fördert und außerdem altes Wissen bewahrt.
Aber was genau ist eigentlich Heumilch g.t.S.?
Heumilch g.t.S. ist das Ergebnis einer traditionellen Haltungsmethode, die tief in der Geschichte der europäischen Landwirtschaft verwurzelt ist. Es handelt sich um Milch von Kühen, die sich in den Sommermonaten vorwiegend von frischem Gras ernähren, während sie im Winter mit hochwertigem Heu gefüttert werden. Damit Milch als Heumilch bezeichnet werden darf, muss der Anteil an Rohfutter, das diese Kühe jährlich zu sich nehmen, mindestens 75% der Trockenmasse ausmachen.
Gleichzeitig werden vergorene Futtermittel wie Maissilage oder genetisch veränderte Futtermittel aus der Ernährung der Tiere ausgeschlossen.
Diese Vorgehensweise verleiht der Milch ihre einzigartigen organoleptischen Eigenschaften, einen intensiven und vollen Geschmack und ein Aroma, das an den Duft von Almwiesen und Kräutern erinnert; außerdem hat diese Milch eine Nährstoffzusammensetzung, die besonders reich an Omega-3-Fettsäuren und fettlöslichen Vitaminen ist.
Die Bedeutung der Abkürzung g.t.S.
G.t.S. steht für „Garantierte traditionelle Spezialität“, ein Schutzlabel der Europäischen Union, das die Aufgabe hat, Produkte mit traditionellen Herstellungsmethoden zu schützen.
Das g.t.S.-System verkörpert die dritte Stufe des europäischen Schutzsystems für erstklassige landwirtschaftliche Lebensmittel, zusammen mit den Labeln g.U. und g.g.A.. Dabei geht es darum, jene Produkte zu schützen und zu fördern, die sich aufgrund von traditionellen Herstellungsmethoden durch ihre besonderen Eigenschaften auszeichnen. Die g.t.S.-Anerkennung für Heumilch wurde 2016 durch die Verordnung (EU) 2016/304 erteilt, indem die Bezeichnungen „Heumilch/Haymilk/Latte fieno/Lait de foin/Leche de heno“ offiziell in das Register der garantierten traditionellen Spezialitäten eingetragen wurden. Dieses Label bestätigt, dass das Produkt einem strengen Produktionsverfahren entspricht, welches von zugelassenen Zertifikationsbehörden ständig überwacht wird.
Die Produktion in Europa
Österreich steht an erster Stelle in Sachen Heumilch, aber auch in Deutschland und der Schweiz gehört dieser Sektor zu den fortschrittlichsten.
In Italien entwickelt sich die Produktion von Heumilch g.t.S. vorwiegend im Alpenraum, wo die Bedingungen denen des österreichischen Modells am ähnlichsten sind. Südtirol steht dabei natürlich dank seiner geografischen Lage und seiner Käsetradition ganz vorne. Hier fügt sich die Heumilchproduktion harmonisch in die Berglandwirtschaft ein, die vorwiegend von Familienunternehmen betrieben wird, welche ihre traditionellen und nachhaltigen Produktions- und Haltungsmethoden von Generation in Generation weitergeben.
Auch in Friaul-Julisch Venetien sind einige Betriebe dabei, sich auf die Produktion dieser Milch zu spezialisieren, indem sie den Auflagen des Produktionsreglements für Heumilch g.t.S. entsprechen und diese übernehmen.
Heumilch g.t.S. in der Käseproduktion
Man kann leicht nachvollziehen, dass man aus Heumilch g.t.S. sowohl frische wie auch gereifte Käsesorten von hervorragender Qualität erzeugen kann. In Südtirol verwenden mehrere Sennereien diese Milch, um hochwertige Käsespezialitäten von hervorragendem Nährwert herzustellen, die gleichzeitig zur Aufwertung der Region beitragen.
Aufgrund ihrer extrem geringen Keimbelastung wird Heumilch vor allem in der Käseproduktion aus Rohmilch eingesetzt. Dieser Aspekt ist von großer Bedeutung für jene Produzenten, die Käse ohne Pasteurisierung herstellen möchten, denn auf diese Weise bleiben sämtliche natürlichen Enzyme und nützlichen Mikroorganismen erhalten, die während der Reifung die Bildung von ganz besonderen Geschmacksnuancen unterstützen.
Schutz der Artenvielfalt: ein vorbildliches System
Die Heumilch g.t.S. stellt ein wichtiges System zum Schutz der Artenvielfalt dar, das weit über die schlichte Produktion eines qualitativen Lebensmittels hinausgeht. Diese traditionelle Methode trägt somit aktiv zum Schutz und zur Erhaltung des Ökosystems und der Natur bei.
Die für die Heugewinnung bestimmten Wiesen stellen äußerst artenreiche Lebensräume dar, die von Dutzenden Pflanzenarten geprägt sind. Zu diesen gehören verschiedene Gräser, Hülsenfrüchtler sowie aromatische und heilungsfördernde Kräuter, die spontan wachsen und durch eine nachhaltige Mähtechnik erhalten bleiben. Diese außergewöhnliche botanische Artenvielfalt wirkt sich natürlich auf eine bessere Milchqualität aus, da jede Pflanzenart ihre spezifischen Nährstoffe und ihre besonderen Aromen abgibt.
Dieses System fördert außerdem die Erhaltung der heimischen Rinderrassen wie zum Beispiel des Grauviehs, des Fleckviehs oder des Braunviehs. Rassen, die perfekt an das Gebiet angepasst und besonders widerstandsfähig gegenüber schwierigen klimatischen Bedingungen sind.
Die extensive Form der Viehhaltung bringt außerdem weitere bedeutende umweltliche Vorteile mit sich: Der Verzicht auf Silagefütterung reduziert enorm die Methangasemissionen, während der gleichzeitige Erhalt von Dauerwiesen (also Wiesen, die weder gepflügt noch bebaut werden, sondern lediglich gedüngt und abgemäht werden) zur Bindung von CO2 und zum Schutz vor Bodenerosion beiträgt.
