
Der Casciotta d’Urbino g.U. ist ein Käse mit einer langen Geschichte, die mit Sicherheit längst noch nicht zu Ende ist.
Klein und rund und von lieblichem, milden Geschmack, hat der Casciotta d’Urbino g.U. seinen Ursprung in den sanften Hügeln der Marken bei Pesaro und Urbino. Sein Ruhm ist eng mit dem berühmten Künstler Michelangelo Buonarroti. verknüpft, wobei nicht ganz gewiss ist, ob es sich hier um Wahrheit oder Legende handelt. Was jedoch sicher ist, ist die Tatsache, dass dieser erstklassige Käse seit seinem Ursprung in der Renaissance seinen Weg auf unsere Tische geschafft hat.
Was für ein Käse ist Casciotta d’Urbino g.U.?
Der Casciotta d’Urbino g.U. ist ein halbfester Schnittkäse, der aus einer Mischung aus Schaf- und Kuhmilch hergestellt wird. Die Käselaibe wiegen zwischen 800-1.200 Gramm, sind etwa 5-7 Zentimeter hoch, mit einem Durchmesser von 12-16 Zentimeter. Die Rinde ist dünn, während der kompakte und gleichzeitig recht weiche Teig eine weiße bis hellgelbe Farbe aufweist.
Am Gaumen ist der Casciotta d’Urbino g.U. angenehm süßlich und mild, mit einer leicht säuerlichen Note und einem frischen und leicht grasigen Milchgeschmack.
Die Mindestreifezeit beträgt zwischen 15-20 Tage, während längere Reifungen zwischen 30 und 60 Tage dauern.
Wo wird der Casciotta d’Urbino g.U. hergestellt?
Das Produktionsgebiet umfasst die gesamte Region der Provinz Pesaro und Urbino in den Marken sowie einige Gemeinden der Provinz Rimini (Novafeltria, Talamello, Sant’Agata Feltria, Casteldelci, Maiolo, San Leo und Pennabilli).
Es handelt sich um eine hügelreiche Landschaft mit viel Weideflächen, einem milden Klima und einer üppigen Pflanzen- und Kräutervielfalt. Das sind günstige Faktoren, die seit Jahrhunderten die Produktion von Milch und Käse begünstigen.
Der Casciotta d’Urbino gehört zu den ältesten Käsesorten Italiens und sein Ursprung reicht sogar bis ins 15. und 16. Jahrhundert zurück. Als Krönung seiner traditionellen Herstellungsweise erhielt er deshalb 1996 die g.U.-Anerkennung.
Ein Käse aus der Renaissance?

Michelangelo Buonarroti
Die Geschichte des Casciotta d’Urbino g.U. stammt aus dem Gebiet des Appennin zwischen Montefeltro und dem oberen Metauro-Tal. Hier haben seit Jahrhunderten die Pfade des Viehabtriebs die Landschaft und die Entstehung der Hirtenkultur geprägt.
Die Weiden mit ihrer unglaublichen Vielfalt an saftigen Kräutern und Leguminosen machten diese Region bereits damals so begehrt, dass ihr Zugang durch Zölle und Nutzungsrechte geregelt war. Das ist ein deutlicher Beweis dafür, wie wichtig und wertvoll die dort erzeugte Milch war.
In eben diesem Kontext entstanden die „Casciotte“, kleine Käselaibe, die für den täglichen Verzehr gedacht waren und in Kürze zum festen Bestandteil der Essensgewohnheiten des Herzogtums Urbino wurden.
Der Legende nach war der Casciotta d’Urbino außerdem bei einer ganz besonders wichtigen Persönlichkeit sehr beliebt, nämlich bei Michelangelo.
Aus seinem Briefwechsel mit Cornelia Colonnelli, der Gattin seines aus Casteldurante (heute Urbania) stammenden Dieners, wissen wir, dass Michelangelo aus dem Hinterland Urbinos regelmäßig frische, kaum gereifte Casciotte zugeschickt bekam. Ein schlichtes, aber kostbares Geschenk, das den Künstler Buonarroti enorm begeisterte.
Wie viel von dieser Geschichte Legende und wie viel tatsächlich historisch belegt ist, lässt sich heute schwer sagen, aber mit Sicherheit war dieser Käse zur Zeit des großen Künstlers sehr beliebt.
Wie genießt man den Casciotta d’Urbino g.U. am besten?
Der Casciotta d’Urbino g.U. ist ein Tafelkäse, den man am besten pur und bei Zimmertemperatur genießt. Man kann ihn in Spalten schneiden und entweder mit anderen Käsesorten oder auf einer Wurstplatte servieren. Besonders interessant ist die Kombination mit Honig oder einer Konfitüre aus Feigen, Zwiebeln oder grünen Tomaten, die seinen milden Charakter noch besser zur Geltung bringen.
Dank seiner optimalen Schmelzfähigkeit ist er in der Küche perfekt zum Verfeinern von Risotto oder Polenta oder um Quiches und Gemüseaufläufe besonders cremig zu gestalten.
Er ist der perfekte Käse für die Zubereitung von Bruschette mit gegrilltem Gemüse, lauwarmen Getreidesalaten oder von Feinschmecker-Sandwiches.
Ein kleines Meisterwerk der Käsekunst (heute wie damals)
Der Gedanke, dass der Casciotta d’Urbino g.U. bereits damals bei Michelangelo oder bei den Herren der Familien Montefeltro und Della Rovere so beliebt war, verleiht seiner Geschichte noch heute einen besonderen Reiz.
Dieser Käse ist nach wie vor das Wahrzeichen einer Region, deren Hirtenkultur und handwerkliches Wissen über Jahrhunderte hinweg zu uns gelangt sind. Ein wahres Meisterwerk der Käsekunst, das es in unseren tagtäglichen Kochgewohnheiten wiederzuentdecken gilt.
